Geht für Hotels schon gar nicht: „From nine to five“ und Social Media Marketing.

Von Laura Bauer*

Ich kann von mir behaupten, dass ich Social Media Managerin aus Leidenschaft bin. Ich weiß, dass es zu meinem Job gehört, nie richtig Feierabend zu haben, weil die Community nie schläft und sich auch spät am Abend über eine Nachricht freut. Für alle Social Media Manager, die ich kenne, ist es normal, morgens auf dem Weg in die Arbeit, abends auf dem Heimweg, auf dem Sofa und auch am Wochenende die Community im Blick zu haben.

Hier und dort einen helfenden Kommentar zu hinterlassen, nach dem im Hotelrestaurant vergessen Geldbeutel zu fahnden. Für uns alle ist es eine Selbstverständlichkeit, nach dem Amoklauf in München der Community Rede und Antwort zu stehen, warum das Geschäft nicht geschlossen wurde und zu helfen, in Panik verlorene Gegenstände wieder an den Besitzer zurückzubringen.

Wir vergessen dabei meistens, dass dies außerhalb der im Arbeitsvertrag festgehaltenen Stunden stattfindet. Es fällt uns dann ein, wenn wir abends in der Bar, während alle Feierabend haben, noch schnell auf die neusten Bewertungen und Kommentare antworten.

Bei meinem Arbeitsplatzwechsel stand auf meiner Liste dick und fett ein einziger Punkt: Flexible Arbeitszeiten, denn nach gut vier Jahren Community-Management wusste ich: Nur unter dieser Bedingung kann man den Job als Social Media Manager so ausfüllen, dass man dem Arbeitgeber, der Community, seinen Ansprüchen an die eigene Arbeit und sich selbst gerecht wird. Denn:

1. Kreativität richtet sich nicht nach Uhrzeiten

Um 11.30 Uhr steht das Kreativmeeting mit den Grafikern und Textern auf der Agenda, der Content-Plan für die nächsten Wochen möchte befüllt werden. In den Köpfen gähnende Leere. Auch die sogenannten Kreativen können nicht auf Abruf kreativ sein. Dem einen kommen die Ideen morgens unter der Dusche, dem anderen nachts im Schlaf und dem dritten beim der abendlichen Joggingrunde. Wenn all diese Ideen gebündelt werden, kann daraus hervorragendes Social Media Marketing entstehen. Allerdings braucht es dafür Zeit und einen freien Kopf.

2. Der Social Media Manager sollte dann online sein, wenn die Community es auch ist.

Wer schon einmal das Smartphone eines Social Media Managers in der Hand hatte, weiß, dass ständig Benachrichtigungen aufploppen. „Petra Müller hat dein Foto kommentiert, Alexander hat dein Hotel mit 3 Sterne bewertet“. Als Social Media Manager lebt man damit, man kennt die normale Frequenz und reißt das Handy aus der Tasche sobald die Frequenz höher als gewöhnlich ist: Shitstorm? Trollalarm? Ein Posting, das gerade durch die Decke geht? Das passiert mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr. Sondern sonntags um 18.28 Uhr oder freitags um 23.15 Uhr. Egal, Social Media funktioniert in Echtzeit und nicht mit 8 oder mehr Stunden Verzögerung.

3. Guter Content funktioniert nur dann, wenn er zu den richtigen Zeiten online geht

Das beste Posting von der Speisekarte des Hotel-Restaurants kann nicht funktionieren, wenn es mittwochs um 9.05 in der Früh online geht, weil dann zwischen Meeting, Content-Plan und Shooting Zeit für das Community-Management ist. Wahrscheinlich würde es am Besten in der Mittagspause funktionieren, oder wenn die Massen gegen 17.00 hungrig ihr Abendessen planen.

Sicherlich kann man Postings vorplanen, damit sie zu den richtigen Zeiten online gehen, wo wir aber wieder bei Punkt 2 wären.

In meinem Bewerbungsgespräch mit Martin Kemmer habe ich all diese Punkte offengelegt, in dem Glauben, vor mir einen Verfechter der „nine to five“-Regel sitzen zu haben. Weit gefehlt! Ein Kemmersches Grinsen und die Antwort: „Hier kannst du arbeiten, wann Du willst!“ waren einer der ausschlaggebenden Punkte, warum ich genau diesen Job haben wollte.

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