Frauen als Führungskräfte in der Hotellerie

Gleich vorneweg: Rein quantitativ haben wir auch bei Place Value noch reichlich Luft nach oben, wenn es um den Anteil der Frauen in der Führungsebene geht.

Da wir allerdings hinsichtlich Karriere-Chancen innerhalb unseres Unternehmens ebenso wenig wie bei Stellenausschreibungen z.B. für die Aufgabe einer Hoteldirektorin bzw. eines Hoteldirektors dem Geschlecht keinerlei Bedeutung zumessen, kann es nur daran liegen, dass sich bis dato im jeweiligen „Fall der Fälle“  Frauen weniger in Position gebracht haben.

Eine spannende und wichtige Frage: Wie schaffen wir es in der Hotellerie, mittel- und langfristig mehr Frauen den Zugang zu den Führungsebenen zu ermöglichen?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie hilfreich es ist, eine weibliche Sicht auf die Dinge zu erhalten. Wie wichtig es ist, gerade hinsichtlich Mitarbeiterführung und/oder schwierigen Situationen mit Gästen von den empathischen Fähigkeiten der Kolleginnen zu lernen. Ich möchte das inflationär gebrauchte Thema „Mars/Venus“ nicht überstrapazieren – dennoch tut die Hotellerie gerade als Dienstleistungsbranche gut daran, qualifizierte und ehrgeizige Frauen mehr zu fördern. Vier Dinge sind dazu meines Erachtens entscheidend:

Erstens, zweitens und drittens:

Der Kinderwunsch darf niemals ein Grund sein, der qualifizierten Kollegin den Sprung auf der Karriereleiter bis zur General Managerin eines Hotels zu erschweren bzw. gar zu verwehren. Es gibt Lösungen, die Vertretung im Schwangerschaftsfall und während der Elternzeit zu regeln – sofern man will.

Bei der Familienplanung organisatorisch zu unterstützen und die nötige Flexibilität bei der Abstimmung von Job und Karriere zu zeugen – dies nicht nur zu kommunizieren, sondern auch zu leben, muss Bestandteil einer modernen und wertschätzenden Unternehmensphilosophie sein.

Eine spannende Idee, von der ich kürzlich gehört habe: Warum nicht die Leitung eines Hotels auf die Schultern von zwei GM-Mütter verteilen?

Viertens:

Gleiches Geld für gleiche Arbeit bzw. gleiche Verantwortung. Das sollte sich eigentlich von selbst verstehen.

Übrigens: Die Frauen in Führungspositionen bei Place Value sind zurecht sehr stolz auf das Erreichte. Eines wollten und wollen sie aber alle nicht – gegenüber ihren männlichen Kollegen ohne Grund bevorteilt werden.

Ich habe vier Kolleginnen gebeten, ihre Meinungen zu den Themen Hotellerie und „Frauen-Power“ niederzuschreiben und finde es höchst aufschlussreich, was Claudia Kohler (Direktorin Comfort Hotel Friedrichshafen), Meike Harmeier (Direktorin ibis Styles Hildesheim), Manuela Masino (Head of Operations Place Value) und Nicole Hahn (Stellv. Direktorin Mercure München Ost Messe) meinten bzw. meinen:

Wie würdet Ihr Euren persönlichen Führungsstil bezeichnen?

„Kooperativ. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit eingebunden, bei Bedarf bietet das Management seine Unterstützung auch an der Front (Rezeption, Service etc.) an. Entscheidungen werden im Team diskutiert, es besteht ein regelmäßiger Austausch. Uns verbindet das gemeinsame Streben als Team nach dem Motto „from best to excellent“.“

„In unserer schnelllebigen und individuellen Welt kann man meiner Meinung nach ein Team nicht mit einem klassischen Führungsstil führen. In meinem Haus arbeiten 13 unterschiedliche Mitarbeiter. Jeder hat andere Ansprüche, Bedürfnisse und Vorstellungen. Der eine braucht Ruhe und versteht trotzdem den Ernst der Lage, der nächste braucht Druck und ist nicht beleidigt o.ä. Und dann gibt es denjenigen, wo es mit Humor und einem Augenzwinkern am besten klappt. Das Ganze muss nur auf eine respektvolle Art und Weise geschehen.“

„Demokratischer oder auch kooperativer Führungsstil. In einem kleinen Team von Mitarbeitern ist mir die Teamfähigkeit und Kommunikation untereinander sehr wichtig.“

„Mein Führungsstil ist beratend & kooperativ.“

Die typisch weibliche Komponente (Empathie etc.) als Vorteil – Tatsache oder doch nur eine Mär?

„Gerade in der Hotellerie ist Empathie (Einfühlungsvermögen, Empfindsamkeit) sehr wichtig, da wir täglich mit und für Menschen arbeiten. Für mich ein klarer Vorteil insbesondere bei der Führung und Motivation aller Mitarbeiter sowie in der Rolle als Gastgeberin.“

„Ich glaube, dass jeder die Leute um sich schart, mit denen er eine gemeinsame Ebene hat und bereit ist, relativ viel Zeit am Tag zu verbringen. Frauen nehmen allerdings mehr Anteil an der Person, auch über das Berufliche hinaus. Ich bin davon überzeugt, dass es einem Mitarbeiter ganzheitlich gut gehen muss, damit er entspannt arbeiten kann. Wenn das bedeutet, dass der Arbeitgeber in einem gesunden Maß Unterstützung anbietet, sollte dies notwendig sein, halte ich das für angemessen und notwendig.“

„Empathie können auch Männer haben ;-).“

„Empathie ist definitiv ein Vorteil. Hier habe ich  positive Rückmeldung von Mitarbeitern bereits darüber erhalten.“

Was du schon immer mal zum Thema „Frauen Power“ im Berufsleben sagen wolltest?

„Frauen sind die besseren Chefs ?. Der Fachpersonalmangel ist allgegenwärtig – nur durch gute Führung und Mitarbeiterbindung (beginnend beim kleinsten Baustein) kann sich ein Hotel als Arbeitgeber vom Mitbewerber abgrenzen.“

„Ich kann den Begriff nicht leiden und auch nicht nachvollziehen. „Männer Power“ zu sagen, wäre genauso seltsam und sagt auch keiner. Meiner Meinung nach wird dieser Begriff von Frauen genutzt, die das Gefühl haben, nicht richtig wahrgenommen zu werden.“

„Mich nerven die ständigen Diskussionen über Emanzipation etc. In der heutigen Zeit sollte es keine Unterschiede mehr geben. Jeder sollte sich frei nach seinem Willen entwickeln können. Den Respekt erwarte ich vor Müttern, die zu Hause sind, sowie vor berufstätigen Frauen.“

Foto: Die Leitung des Comfort Hotel Friedrichshafen ist fest in weiblicher Hand.

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